© Schlitzer Bote
Erschienen am Freitag, dem 6. August 1999
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Wirtshausreminiszenzen (3) 15. Zusammenfassung Mit den Wisch

Wirtshausreminiszenzen (3)
15. Zusammenfassung
Mit den Wischschenken in den Stuben und Küchen der Brauer fing es in Schlitz an.
Das war unbequem und höchst umständlich. Spätestens mit der Stadtwerdung im Jahre 1439 betrieb die Bürgerschaft ein Stadtbrauhaus und ein Stadtwirtshaus. Wo das Schlitzer Bürgerbrauhaus gestanden hat ist unstrittig. 1623, also zu Beginn des dreißigjährigen Krieges, wurde am Niedertor obergäriges Braunbier gesotten. (SIPPEL, die Schlitzer Bürgerbrauer im Streit mit ihrer Herrschaft, Heft 11 der Reihe "Schlitz im Spiegel der Geschichte" S. 5)
Wo das Schlitzer Stadtwirtshaus ursprünglich gestanden hat, wo also das Braunbier aus dem Zapfhahn schäumte, kann für's erste nicht belegt werden. Wir wissen, daß die Schlitzer Bürgerbrauer von der Herrschaft zurückge-pfiffen wurden, als sie 1644 versuchten, im Rathaus "ein gemein Gasthaus" einzurichten, also "aus dem Rathskeller ein gemein Stadtkeller zu machen." (SIPPEL, a.a.O. S. 7)
16. Kein Sud und Schank der Herren
Sie mußten sich dem bürgerlichen Reihelosverfahren anschließen wie jeder einfache Schlitzer Bürger. Das tat weh. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß sie darauf sannen, in den Genuß eigenständigen Siedens und Schenkens zu gelangen. Es steht fest, daß zur Zeit des dreißigjährigen Krieges in Schlitz noch kein Herrschaftsbrauhaus gestanden hat. Es gab in der Herrschaft Schlitz kein altgewachsenes "Landadelbraurecht."
17. Dorfschenken des Schlitzerlandes
Am 21. August 1578 wurde zwischen Herrschaft und Rat der sog. "Schenkbrief" ausgehandelt, in dem festgelegt war, alle Dorfbewohner hätten künftig ihren Wein, "welchen sie zu Hochzeiten, Kindttaufen, Weinkauffen und sonsten Ihrer Leibs-Notdurft nach und in anderer Wege zu gebrauchen hätten", in Schlitz zu kaufen. In dem genannten Schenkbrief übertrug die Herrschaft zugleich die Bewirtschaftung der Dorfschenken des Schlitzerlandes den Schlitzer Bürgerbrauern. Auf den görtzischen Dörfern wurde also von 1578, möglicherweise von 1585 an Schlitzer Stadtbier ausgeschenkt -*mit einer Ausnahme! Die Dorfschenke von Sandlofs sott und schenkte Herrschaftsbier aus der rustikalen Sudanlage des Sandlofser Hofes. Alles spricht dafür, daß die späteren herrschaftlichen Brauanlagen in den herrschaftlichen Erbschenken und nachfolgend in der 1725 aufgeführten görtzischen Zentralbrauerei, die sich später dann Auerhahnbräu nannte, ihren Ausgang nahm. (SIPPEL, "Die Geschichte der Auerhahnbräu", Heft 15 der Serie "Schlitz im Spiegel der Geschichte", S. 8)
18.Der Bericht des Finanzrates 1810
In Schlitz gab es 1810 folgende Wirtshäuser:
1 Privilegierte Schenken (= "Herrschaftliche Gasthäuser")
1 Torhaus (= Hallenburger Wirtshaus, später Annahaus)
2 Grabenbergwirtshaus (= Hinterburger Wirtshaus, später "Die Rose"
3 Hohhaus (= Vorderburger Wirtshaus, heute Hindenburgstraße 4)
4 Neuwirtshaus (= Schachtenburger Wirtshaus, Brauereieingangsgebäude)
5 Ottoburger Wirtshaus (Marktplatz 3, war 1810 schon Stadtwirtshaus)
2 Stadtwirtshaus (bis 1764 Ottoburger Wirtshaus, Marktplatz 3
3 Schildwirtshäuser d.s. Gasthäuser mit Beherbergung
1 "Der Schwarze Adler (= später Gaststätte JUNG, Bahnhofstraße)
2 "Der Engel" (= Wirtshaus und Bäckerei, JUNGBLUT, Marktplatz)
3 "Die Sonne" (= Wirtshaus Guntrum, Ringmauer)
4 "Das weiße Roß" ( ehemals "Im Grund", inzwischen abgerissen.
(Wird fortgesetzt)
Heinrich Sippel


Marktgeschehen in Schlitz; skizziert von Erika HELBICH 1983.


Fremde Biere haben in den letzten Jahren in Schlitz Besitz ergriffen. Zunächst schluckten die Lauterbacher Schoppen-Liebhaber die Auerhahn-Brauerei, dann wurden die Lauterbacher zusammen mit den Schlitzern von der Fuldaer Hochstift aufgezehrt.
Jetzt wissen die Schlitzer Bierfreunde im Regelfall nicht mehr, wo die Gerstentropfen gesotten werden, die sie in ihre Kehlen hinunterströmen lassen. Inzwischen scheint der Bierfriede eingekehrt zu sein; vgl. die Stimmungsbilder aus dem Trachtenfestzug von 1999.(Foto: SIPPEL)

Rund ein Jahrhundert tranken die Schlitzer "Auerhahnbier" aus der gräflich-görtzischen Brauerei; und sie tranken es mit Inbrunst und lokaler Treue. Stolze und prächtige Vierspänner zogen die Faßwagen in den Trachtenfestzügen.
Es gab Zeiten, da galt es nahezu als Landesverrat, wenn ein Auerhahntrinker einmal zu einer anderen Flasche griff. Diese Heimattreue ist inzwischen geschwunden.(Foto aus Trachtenfestzug von 1999; Foto: SIPPEL)

Knorriges historisches Wirtshausschild der Schildwirtschaft "Zur güldenen Krone" am Schlitzer Marktplatz. 1736 existierte dieses Wirtshaus mit Übernachtungsbetrieb in dem heutigen Hause Marktplatz 7 NIEPOTH. In dem mehrfach erwähnten Bericht des Finanzrates MEYER von 1810 war die Krone schon nicht mehr erwähnt. (Museum Schlitz; Foto: SIPPEL 20.5.1995)