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| © Schlitzer Bote | Erschienen am Donnerstag, dem 22. April 1999 . |
Das Großherzogtum Hessen und seine herrschaftlichen Vorläuferstrukturen 1818 erschien bei J. C. HINRICHS in Leipzig die an den neuen großherzoglich-hessischen Richtlinien ausgerichtete "Kleine Geographie oder Abriß der mathematischen, physischen und besonders politischen Erdkunde für Gymnasien und Schulen von D Christian Gottfried Daniel Stein." In diesem Compendium umschreibt STEIN u.a. das am 6. Oktober 1806 neugebildete Großherzogtum Hessen (vgl. SAURWEIN/SIPPEL, "Als wir Schlitzer Hessen wurden*", Studien zur Schlitzer Geschichte, Heft 19, S. 18 mit vielen Details). 1. Soziologie, Geographie und Landwirtschaft (Vorbemerkung) Das Großherzogtum Hessen "enthält" 168 Orte mit 569.822 Einwohner. "Es liegt an dem Rhein, Main, Neckar, Schwalm, Lahn, Ohm und Nidda. Das Land hat mehrere gebirgige Striche, z.B. das Vogelgebirge, dessen höchste Spitze der Taufstein ist, ein Theil des Odenwaldes und die Bergstraße. Die Produkte sind: Getreide, Küchengewächse, Krapp (= Färberröte, = Rubia tinctorum, = Farbstoff Alizarin), Tabak, Wein, Obst, auch Mandeln und Kastanien, Flachs, Rübsamen, Holz, Pferde, Schafe, Schweine, Gänse, Bienen, Fische (Rheinlachs), Wild, Seide, Eisen, Kupfer, Schiefer, Torf, Salz, Mineralwasser. In Hinsicht der Religion findet man hier Lutheraner, Reformierte, Katholiken, Waldenser (= ehemals mittelalterliche Laienbruderschaft; Erneuerung ab 1815), Juden. Landesherr ist der Großherzog von Hessen und bei Rhein LUDWIG. Staatseinkünfte 4 Mill Gulden. Militair 9000." 2. Die Provinzen und ihre Untergliederungen 2.1 Fürstentum Starkenburg mit der Hauptstadt und Residenz Darmstadt am Anfang der Bergstraße, Sitz der Landeskollegien (= Entscheidungskörperschaften), Pädagogium, Gymnasium. Das große Exerzirhaus hat 319 Fuß Länge, 157 Fuß Breite, 83 Fuß Höhe. Stadt Zwingenberg an der Bergstraße am Fuß des 1800 Fuß hohen Malchesbergs. 1144 Einwohner. Friedberg an der Usbach, 1770 Einwohner, die Sommerresidenz: Auerbach. Hierzu gehören als standesherrliche Bezirke: 2.1.1 Die fürstlich-löwenstein-wertheimischen Herrschaften Breuberg und Habitzheim. 2.1.2 Die Grafschaft Erbach auf dem Odenwald gehört den in drei Linien geteilten Grafen von Erbach, mit der Stadt Michelstadt. 1147 Einwohner, Sitz der gemeinschaftlichen Regierung, Eisenfabrikation: Erbach am Fluß Mümling. 2.1.3 Ritterschaftliche Güter. 2.2 Das Fürstentum Oberhessen mit der Hauptstadt Gießen an der Lahn und Wieseck. 6000 Einwohner, Universität, Pädagogium, Landschullehrerseminarium. Friedberg in der Wetterau an der Höhe. 1993 Einwohner. Rindviehversicherungsanstalt. Nidda. 2.2.1 Die standesherrliche Grafschaft GEDERN und der gräflich-stollbergische Anteil an der Grafschaft Königstein. 2.2.2 Die standesherrliche, gräflich-görtzische Herrschaft SCHLITZ mit der Stadt gleichen Namens. 2.2.3 Die Länder der Fürsten und Grafen von Solms in der Wetterau an den Flüssen Lahn, Wetter und Nidda. Vom Hause Solms sind zwei Linien fürstlich, nämlich Braunfels mit der Stadt Hungen und Hohensolms, sowie drei Linien gräflich, nämlich Rödelheim, Laubach (mit der Stadt gleichen Namens unweit des Ursprungs der Wetter. 1400 Einwohner) und Wildenfels (die Herrschaft gleichen Namens steht unter königlich-sächsischer Hoheit). 2.2.4 Die freiherrlich Riedeselschen Gerichte Lauterbach, Stockhausen, Moos und Freienstein(au), darin die Stadt Lauterbach. 2.2.5 Die Burggrafschaft oder Burg Friedberg in der Wetterau mit der Grafschaft Kaichen fällt nach dem Tode des jetzigen Burggrafen, des Grafen Waldbott-Bassenheim, an den Großherzog von Hessen. 2.2.6 Die Herrschaft Ilbenstadt in der Wetterau gehört der älteren Linie der Grafen von Leiningen-Westerburg. 2.2.7 Ein Teil der Isenburgischen Länder, die einen Teil der Grafschaft Oberisenburg ausmachen. Sie sind unter fürstliche und gräfliche Linien geteilt und stehen zumTeil unter kurfürstlich-hessischer Hoheit. In dem Anteile des Fürsten Karl von Isenburg-Birstein liegt die Stadt Offenbach am Main, 9000 Einwohner.Schloß, Hut-, Seiden-, Linnen-, Wollen-, "Faience" (= Fayence, = Majolika, = Tonwaren mit Zinnglasur), Wachstuch- und Tapeten-, Wachslichte, Bijouterie- und Galanteriewaren-, Tabaks-, Papiermache-, Saffian (= feines Ziegenleder), Toreutikawaren (= Metallbildnerei), Runkelrübenzucker, Wagenfabrikation, Kunstbleiche. Birstein, Residenz des Fürsten. An der Riedbach Eisensteinbrücke. Ein gräflicher Nebenast dieser Linie ist die philippseichische Linie mit dem Residenzschloß Philippseich. Die drei gräflich-isenburgischen Linien sind: Isenburg-Büdingen mit der Stadt Büdingen, 2000 Einwohner, Weinbau, Salzsiederei, Eisenwerk, Glashütte; Wächtersbach und Meerholz. 2.2.8 Die gräflich-schönbornische Herrschaft Heußenstamm. 2.2.9 Ritterschaftliche Güter. 2.3 Im Umfange dieses Fürstentums Oberhessen, aber frei von der Hohheit des Großherzogs von Hessen, liegt die Landgrafschaft Hessen-Homburg des Landgrafen FRIEDRICH LUDWIG (WILHELM CHRISTIAN) 6826 Einwohner, ohne die Besitzungen jenseits des Rheins, die 10.000 Einwohner enthalten, wo die Stadt Homburg vor der Höhe, 2700 Einwohner, Forstlehranstalt, Leinwand-, Flanell-, Seiden- und Wollstrumpf. Auch besitzt der Landgraf auf dem linken Rheinufer die Herrschaft Meisenheim mit der Stadt gleichen Namens am Fluß Glan, 1730 Einwohner. 2.4 Die Besitzungen auf dem linken Rheinufer. Dort hat die Stadt Mainz eine Festung, 25.251. Lyceum, Schiffahrt, Handlung (= Handel). Kastel, Kostheim, Bingen, Alzei an der Selzbach, 3193 Einwohner. Leinen-, Strumpf-, Lederfabrikation. Worms am Rhein, 5718 Einwohner, Weinbau, Schiffahrt, Tabaksfabrikation. Oppenheim am Rhein. Die St. Petersinsel im Rhein. 3. Nachtrag (Hessen-Kassel) Wegen der unmittelbaren Nachbarschaft seien darüberhinaus folgende Notierungen D Christian Gottfried Daniel STEINs aus dem Territorium der Landgrafschaft Hessen (Kassel) genannt: - Oberhessen, ein Teil der südlichen Landgrafschaft Hessen (nicht zu verwechseln mit dem Fürstentum Oberhessen mit Gießen als Mittelpunkt!). Stadt Marburg an der Lahn; 5474 Einwohner. Universität, chirurgisches Wilhelmsinstitut, Pädagogium, Schullehrerseminarium. Frankenberg; 1500 Einwohner. Silber-, Kupfer- und Bleibergwerk. Das große Hospital Haina. - Füstentum Hersfeld mit der Stadt gleichen Namens an der hier schiffbaren Fulda; 4952 Einwohner; Gymnasium, Wollfabrik, Mineralquellen. Auch liegt hier der Flecken Kreuzberg oder Philippsthal an der Werra mit dem Residenzschloß der Landgrafen von Hessen-Philippsthal. - Großherzogtum Fulda mit der Stadt Fulda am Fluß gleichen Namens. 8150 Einwohner. Schloß, Lustgarten, Lyceum, Forstlehranstalt, Münster oder Hauptkirche mit dem Grabe des heiligen Bonifaz. Leinwand-, Woll-, Porzellan-, Holzwarenfabrikation. Das Dorf Salzschlirf. Salzwerk. Gliederung Das Großherzogtum Hessen und seine herrschaftlichen Vorläuferstrukturen 1. Soziologie, Geographie und Landwirtschaft (Vorbemerkung) 2. Die Provinzen und ihre Untergliederungen 2.1 Fürstentum Starkenburg 2.1.1 Die Herrschaften Breuberg und Habitzheim 2.1.2 Die Grafschaft Erbach 2.1.3 Ritterschaftliche Güter 2.2 Fürstentum Oberhessen 2.2.1 Die Grafschaften Gedern und Königstein. 2.2.2 Die gräfliche Herrschaft Schlitz 2.2.3 Die Fürsten und Grafen von Solms 2.2.4 die Riedesel in Lauterbach, Stockhausen, Moos und Freienstein(au) 2.2.5 Die Burggrafschaft Friedberg 2.2.6 Die Herrschaft Ilbenstadt 2.2.7 Die Isenburger Länder 2.3 Die Landgrafschaft Hessen-Homberg 2.4 Großherzogliche Besitzungen auf dem linken Rheinufer (Mainz, Worms, Openheim) 3. Nachtrag (Hessen-Kassel) Heinrich Sippel Das alte Darmstadt, die Hauptstadt des großherzoglichen Fürstentums Starkenburg und des Großherzogtums Hessen-Darmstadt (Kopie aus Merian 1655). Landgraf LUDWIG X., ab 1806 Großherzog LUDEWIG I. von Hessen und bei Rhein. (Aus Battenberg: Judenverordnungen in Hessen-Darmstadt, Wiesbaden 1987, S. 15) Napoleon machte den hessischen Landgrafen LUDWIG X. 1806 zum Großherzog LUDEWIG I. von Hessen und bei Rhein (Foto: Schloß Ludwigsburg - 26. 7. 1996). Dieses Bild ist ohne BU! |