Nachfolgende Textauszüge aus
Historischer Stadtrundgang Burgenstadt Schlitz, 2. überarbeitete Auflage 1997

von Fritz Kumpf und Volker Puthz, Grafiken von E. Pfeffer


GESCHICHTE

Die bald zwölfhundert Jahre alte Geschichte von Schlitz ist geprägt vom Miteinander und auch vom Gegeneinander ihrer Bürger und ihrer Herren.

Urkundlich wird Schlitz zum ersten Mal erwähnt, als der Mainzer Erzbischof RICHOLF am 20. September 812 auf dem Hügel Slitese eine der Heiligen Margaretha gewidmete Kirche weiht. Mit dem Bau der romanischen Säulenbasilika durch den Fuldaer Abt RATGAR ist die Aufzeichnung eines großen Kirchensprengels verbunden, in der viele Orte der Umgebung erstmalig urkundlich erwähnt werden.

Mitte des 13. Jahrhunderts erheben sich die fuldischen Lehnsträger gegen den Abt. In ihrem Streben nach mehr Selbständigkeit fallen sie der Strafexpedition des Abtes BERTHO von LEIBOLZ anheim, der 1265 die im Tal des Schlitzflusses gelegene Burg Niederschlitz zerstört. Im Wappen von Stadt und Herrschaft sind die beiden Burganlagen (Niederschlitz und Oberschlitz) durch zwei schrägstehende Zinnenbalken versinnbildlicht.

Infolge dieser Auseinandersetzungen werden die Bewohner des Rings um die Oberburg mit mehr Rechten ausgestattet. Schlitz wird 1418 als (Burg-)"Flecken" mit eigener Gerichtsbarkeit bezeichnet und 1439 als "Stadt" genannt.

1546 wird in Schlitz erstmalig evangelisch gepredigt. 1563 erhalten die Herren von Schlitz das Kollaturrecht zur Besetzung der in ihrer Herrschaft gelegenen Pfarrstellen, womit die Reformation als eingeführt angesehen werden kann. Der Frieden von Münster und Osnabrück 1648 sanktioniert nicht nur de jure die Unabhängigkeit von der Fürstabtei Fulda, er macht auch dem Kriegstreiben ein Ende, das durch Plünderungen, Hungersnöte und durch die Pest (1635) die Bevölkerung der Herrschaft auf ein Drittel dezimiert hatte.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts setzt eine rege Bautätigkeit ein, deren Ergebnisse gegenwärtig maßgeblich das Bild der Schlitzer Innenstadt und ihrer beiden Vorstädte bestimmen.

1806 wird die Reichsgrafschaft Schlitz mit der Gründung des Rheinbunds dem Großherzogtum Hessen - Darmstadt zugeordnet. 1820 wird die Standesherrschaft Schlitz dem Regierungsbezirk Alsfeld und 1852 dem neu gegründeten Kreis Lauterbach zugeordnet.

Mit dem Kreis Lauterbach geht Schlitz durch die hessische Gebietsreform 1971 in den Vogelsbergkreis über, der durch Vertrag und Gesetz aus den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und dem Stadtbereich Schotten gebildet wurde. Im Rahmen der Gebietsreform schließen sich die Schlitzerländer Gemeinden freiwillig und durch Gesetz zur Großgemeinde Schlitz zusammen, die von rund 10 000 Menschen bewohnt wird.

1 Evangelische Stadtkirche

  Die evangelische Stadtkirche, ehemals Sankt Margarethen. Als dreischiffige romanische Säulenbasilika von dem Fuldaer Abt Ratgar erbaut, wurde sie am 20. September 812 vom Mainzer Erzbischof Richolf geweiht. Der Kirche wurde ein großer Sprengel beigegeben, der weit bis in den Vogelsberg und den Knüll und bis vor die Tore von Alsfeld reichte.Die Kirche in Schlitz ist eine der ältesten steinernen Sakralbauten, die außerhalb des unmittelbaren Fuldaer Klosterbezirks errichtet wurden.

Die ursprüngliche Basilika stand auf der höchsten Stelle des Berges, dem jetzigen Westteil des Kirchenschiffes. Ihr östlicher Abschluß, der sich zwischen den jetzigen Turmpfeilern befunden haben muß, ist durch mehrere Kammergräber zerstört. Etwa in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde an die Ostseite der Basilika + Turm ein Querbau angefügt, dessen Schmalseiten nicht ganz in der Fluchtlinie der Basilika stehen. Im Kircheninnern befindet sich am SO - Pfeiler des Turms ein bemerkenswertes, aus einem Stein gehauenes Weihwasserbecken.

Unter staufischem Einfluß wurden gegen Ende des 13. Jahrhunderts der Chor mit seiner halbrunden Apsis, die Hauptgruft unter dem Chor und die Sakristei mit ihrer bemerkenswerten Apsidiole erbaut. Im 12. Jahrhundert wurden Querbau und Turm erhöht, in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts kamen die Barbarakapelle und der oktogonale Aufbau des Turmes dazu. Im Westteil wurde das vierfach gestufte Portal eingebaut, das zur 1100- Jahrfeier der Kirche mit einem sandsteinernen Tympanon versehen wurde. Dieses schuf der Bildhauer und damalige Direktor der Weimarer Kunstakademie Graf Emil Friedrich von Schlitz genannt von Görtz.

Einem seiner Vorfahren aus der Ottoburger Linie der Familie, Georg Heinrich von Schlitz g.v. Görtz, wurde in der Barbarakapelle ein Gedenkstein errichtet. Er war Minister des schwedischen Königs Karl XII., wurde nach dessen Tod im Jahre 1718 unter Anklage gestellt und nach einem politischen Prozeß ohne stichhaltige Beweise 1719 enthauptet, später rehabilitiert. Sein Leichnam ruht in der Gruft unter der Barbarakapelle, nachdem ihn seine treuen Diener unter schwierigen Umständen von Stockholm nach Hamburg und später nach Schlitz gebracht hatten.

Schon seit dem 13. Jahrhundert hatte man versucht, die verschiedenen Bauteile zu einem einheitlichen Kirchenraum zusammenzufassen. Dabei mußten die Außenwände der alten Basilika erhöht und verlängert werden. Außerdem wurden die niedrigen Turmbögen in beide Richtungen erhöht und die gemauerten Innenbögen mit Pfeilern (Arkaden) der ehemaligen Basilika entfernt, was zu erheblichen statischen Problemen führte. Der fast 30 Meter hohe Spitzhelm des Turms ist ein beachtliches (Fach-)Werk des 17. Jahrhunderts. Die im Volksmund als Paradies bezeichnete südliche Vorhalle der Kirche erhielt 1557 einen Renaissancegiebel, er trägt im Giebelfeld ein Bekenntnis zum protestantischen Glauben. Die beiden Seitentürmchen im Süden und Norden dienten als Treppentürme zu Emporen, die, gegen Ende des 16. Jahrhunderts errichtet, im Laufe der letzten Restaurierungsarbeiten entfernt wurden.

2 Sandkirche

  Die Sandkirche am städtischen Friedhof wurde im Jahre 1612 an der Stelle einer Vorgängerkirche erbaut, von der möglicherweise noch die spätgotischen Fensterlaibungen in der Ostwand stammen. Sie ist eine der ältesten Querkirchen Deutschlands. Die kürzere Querachse bildet hier die Hauptachse der Kirche. Eine besondere Eigenart weist die Kanzel auf, die sowohl nach innen als auch nach außen benutzt werden kann und mit schönen Beschlagwerk - Ornamenten geschmückt ist.

An der Außenwand neben der Kanzel sind zwei hervorragend gearbeitete barocke Epitaphe angebracht, die aus den Jahren 1625 und 1627 stammen.

Der Schlitzer Friedhof, der sich seit Beginn der siebziger Jahre zusammen mit der Sandkirche in städtischem Besitz befindet, wurde 1591 angelegt.

3 Vorderburg

  Die Vorderburg, in der sich heute das Heimatmuseum und der Festsaal der Stadt Schlitz befinden, ist aus einem ursprünglich aus dem Mittelalter stammenden romanischen Wohnturm entstanden (Unterbau des Turms vor 1181). Der Kern des Ostflügels ist ebenfalls mittelalterlich, während der Westflügel um 1600 erbaut wurde. Verschiedene Bauabschnitte lassen sich an dem zentralen, ehemaligen Wohnturm ablesen. Ein aus Altan und Treppenturm bestehender Vorbau, von denen noch Spuren zu erkennen sind, wurde 1812 abgerissen. Schmal- und Rückseiten der beiden Flügel des gewaltigen Gebäudes besitzen Renaissancegiebel. Die Turmhaube stammt aus dem 16. Jahrhundert. Ein hölzerner, zum Teil barocker Treppenaufgang führt zu den verschiedenen Stockwerken. 1950 wurde in der Turmhaube ein aus 26 Glocken bestehendes Läutewerk eingerichtet. Nach dem Willen seines Stifters, des Grafen Otto Hartmann von Schlitz, soll dieses Glockenspiel der internationalen Verständigung dienen. Jeweils um 15.00 und um 17.00 Uhr erklingen im wöchentlichen Wechsel Volkslieder der verschiedenen Nationen über die Dächer der Stadt.

4 Vorderburger Brunnen

  Der Vorderburger Brunnen, ein Schachtbrunnen mit einem hölzernen Brunnenhaus und einem hölzernen Räderwerk, wurde gegen 1600 errichtet. Der Brunnen war einst über 50 Meter tief und diente Mensch und Vieh zur Wasserversorgung. Unschwer läßt sich an der Anordnung der den Hof begrenzenden Gebäude ihr früherer landwirtschaftlicher Charakter erkennen.

5 Hinterburg

Die Hinterburg, 1493 schon erwähnt, ist in ihrem Ursprung Teil der Schlitzer Stadtbefestigung. Der jetzige dreigeschossige Bau wurde von 1561 bis 1565 errichtet, im Jahre 1647 umgebaut. Der in reinem Renaissancestil ausgeführte Baukörper wird durch prachtvolle Giebel und einen Treppenturm mit achteckigem Fachwerkaufbau geschmückt. Der Fachwerkaufbau ist mit einer welschen Haube versehen. Die Hinterburg ist seit 1950 das Hauptgebäude der Graf Görtzischen Stiftung Altersheim.

6 Hinterturm

  Der Hinterturm, Bergfried aus dem 14. Jahrhundert, hat eine Höhe von 36 Metern und wurde im Jahr 1906 nach altem Vorbild mit einer Steinhaube versehen. Seit dem 17. Jahrhundert trug er eine barocke Schieferhaube, die den gräflichen Wächtern als Wachstube diente. Der Turm ist heute ein beliebter Aussichtspunkt, den man bequem mit dem Fahrstuhl erreichen kann. Ursprünglich war das Turminnere nur durch einen wahrscheinlich hochklappbaren Steg zu betreten. Unterhalb des früheren Eingangs befanden sich mehrere Verliese, die als Turmgefängnis benutzt wurden. Zusammen mit dem Turm der Stadtkirche und dem Turm der Vorderburg bildet er einen Dreiklang, der schon aus weiter Entfernung die charakteristische Silhouette von Schlitz erkennen läßt.

7 Wohnbau der Hinterburg

Dieser zum Bergfried gehörige Wohnbau wurde 1553 mit einem rückwärtigen Treppenturm erbaut. Vom Dachstuhl aus führt eine Holzbrücke zum Hinterturm. Das Fachwerkgeschoß wurde 1653 aufgesetzt. Das Haus gehört jetzt zur Stiftung Altersheim, die vom Grafen Otto Hartmann von Schlitz und seiner Frau Marta Maria kurz nach dem 2. Weltkrieg zur Betreuung älterer Menschen gegründet wurde.

8 Schachtenburg

  Die Schachtenburg wurde im Jahre 1557 von der Witwe des hessischen Kriegsrates Wilhelm von Schachten, Elisabeth, Tochter des Junkers Werner von Schlitz, erbaut. Sowohl das mit einem Sandsteinstockwerk versehene Südhaus als auch das in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtete Nordhaus gehören nicht zu der alten, aus dem Mittelalter stammenden Stadtbefestigung. Das Portal der Schachtenburg vereinigt nachlebende Spätgotik mit Renaissance - Ornamentik und mit geheimnisvollen Symbolen. Ein quadratisches Sandsteinrelief rechts neben der Tür trägt die Wappen derer von Schlitz und derer von Schachten. Darüber befindet sich eine Spottmaske, ein sogenannter Breilecker, der wahrscheinlich von einem der alten Schlitzer Stadttore stammt.
Die Schachtenburg ist heute Teil des Graf Görtzischen Altersheims.

9 Ottoburg

  Die Ottoburg ist ein frühbarockes Schloß, das von 1955 bis 1990 als Jugendherberge diente. Sie ist in zwei Bauabschnitten entstanden und steht auf der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Von den beiden den NO- Teil flankierenden Ecktürmen stammt der kleinere aus alter Zeit. Die ehemalige Stadtmauer ist im Keller des Gebäudes noch gut zu erkennen, im Kellergeschoß befindet sich eine steinerne Gedenktafel, die das Baujahr (1653) und den Bauherren (Otto Hartmann von Schlitz, Mitglied der "Fruchtbringenden Gesellschaft") nennt. Ihre heutige Gestalt hat die Ottoburg jedoch erst 1681 durch Otto Hartmanns Sohn, Philipp Friedrich von Schlitz und dessen Gemahlin, Juliane Elisabetha von Minnigerode, erhalten, deren Doppelwappen über dem Barockportal des Haupteingangs zu sehen ist.

Der Ottoburger Linie der Standesherrschaft entstammt der "Held von Rheinfels", Georg Ludwig Sittich von Schlitz, der als Hessen - Kasselischer Generalmajor 1792 die Feste Rheinfels bei St. Goar gegen eine starke Übermacht französischer Truppen erfolgreich verteidigte.

In die europäische Geschichte ging auch Georg Heinrich von Görtz (1675- 1719) ein, der ebenfalls der Ottoburger Linie entstammt. Als berühmter Diplomat wirkte er an vielen europäischen Höfen, zuletzt war er engster Vertrauter und Minister König Karls XII. von Schweden, nach dessen Tod er aus politischen Gründen hingerichtet wurde. Voltaire, der Georg Heinrich persönlich gekannt hat, setzte ihm in seiner "Geschichte Karls XII." ein unvergängliches Denkmal.

9 a Ehemalige Ottoburger Herrenschenke

  Ehemalige Ottoburger Herrenschenke und Wirtshaus der Ottoburg. Nach dem Aussterben der Ottoburger Linie der Herren von Schlitz wurde das Haus im Jahre 1764 vom Rat der Stadt als "neues" Stadtwirtshaus gekauft. Es verfügt über besonders tiefe und geräumige Keller, die man dringend zur Einlagerung des Biers der vortorigen Schankwirte benötigte.

9 b Marktbrunnen

  Der Marktbrunnen diente früher als Schöpfbrunnen zur Wasserversorgung der Innenstadt. Der Steintrog wurde in seiner jetzigen Form im 16. Jahrhundert erstellt. Die Brunnenfigur St. Georg wurde im Jahr 1930 aufgestellt.

10 Schloß Hallenburg

  Die Hallenburg, Schloß und Residenz der Grafen von Schlitz, ehemals befestigtes Hofgut auf dem Flurstück "Hall" gelegen, wurde im 16. Jahrhundert ausgebaut. 1706 - 1712 entstand dann nach den Plänen des französischen Architekten Louis Remy de la Fosse ein neues, spätbarockes Schloß mit Mansardendach.

Seit 1720 war die Hallenburger Linie der Herren von Schlitz alleiniger Besitzer der Landesherrschaft, nachdem die übrigen Linien im Mannesstamm ausgestorben waren. Schloß Hallenburg diente seit dem 18. Jahrhundert der anfangs noch freiherrlichen, später gräflichen Familie als ständiger Wohnsitz.

1755 brannte die Hallenburg aus, wurde wieder instand gesetzt; sie erhielt ihr jetziges Aussehen um 1800 nach einem Umbau durch den Grafen Karl Heinrich, der das Mansardendach beseitigte und ein neues Stockwerk aufsetzte. Im gartenwärts liegenden Saal der Beletage befindet sich eine seltene florale chinesische Panoramatapete aus dem 18. Jahrhundert.

Zu Schloß Hallenburg gehört der Schloßpark. Ursprünglich ein Park nach rationalistisch- französischem Vorbild, wurde die heutige Anlage zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach dem Muster englischer Landschaftsgärten grundlegend umgestaltet. Zahlreiche, auch exotische Gehölze wurden damals angepflanzt.

11 Rathaus

  Das Rathaus zeigt in seinem älteren, verputzten Teil noch spätgotische Formen. Der Steinbau stammt aus dem 16. Jahrhundert. Drei Bogenportale und ein aus dem Jahre 1757 stammender Dachreiter mit Laterne und doppelter Haube heben das Rathaus aus der Menge der übrigen Häuser hervor.

12 Benderhaus

  Das Benderhaus, erbaut um 1600, war ursprünglich als Fruchtboden und Speicherraum der Schlitzer Herrschaft eingerichtet. Im Keller hat sich in früheren Jahrhunderten eine Faßbinderei befunden, die dem Bau seinen Namen gab.

13 Brauereihaus

  Das Brauereihaus, 1788 erbaut, stellt einen Torbau mit Fachwerk und offenen Steinarkaden dar. Es bildet die historische Einfahrt zur Auerhahn- Brauerei, die 1585 im Schlitzer Stadtteil Sandlofs gegründet wurde. Das Haus besitzt eine schöne Empire - Tür.

14 Ehemaliges Gasthaus "Zum Schwarzen Adler"

  Früher altes Stadtwirtshaus. Dieses mußte seit dem frühen 17. Jahrhundert von den Schlitzer Bürgerbrauern im Umlauf des Brauloseverfahrens mit Bier versorgt werden. Dem Erzählen nach soll 1631 der kaiserliche Generalissimus Tilly in dem Haus übernachtet haben.

15 Evangelisches Pfarrhaus

  Das evangelische Pfarrhaus, erbaut im Jahre 1610, steht mit seiner Westseite auf der Stadtmauer. Die alte Pfarrscheuer von 1647 ist 1926/27 zum Gemeindehaus ausgebaut und 1977 zum evangelischen Gemeindezentrum umgebaut worden. Im Garten des Oberpfarrhauses steht eine von zwei Säulen gebildete Laube, die an das Patrimonialgericht erinnert, wo Klagen gegen Sittlichkeitsvergehen vorgebracht wurden. Die mit einer Rundbank versehene Linde auf dem Platz zwischen Oberpfarrhaus und Kirche wurde zum 400. Geburtstag des Reformators Dr. Martin Luther im Jahre 1884 gepflanzt.

16 Amtsschultheiß - Haus

  In seiner gegenwärtigen Gestalt im Jahr 1786 erbaut, heute Geschäfts- und Wohnhaus. Hier hatte ehemals der Amtsschultheiß seinen Sitz.

17 Hospital Schlitzerland

  Das Hospital wurde 1547 von den Brüdern Werner und Friedrich von Schlitz als Armen- und Siechenhaus gestiftet, 1810 wegen Baufälligkeit der alten Gebäude erneuert und mit einem Krankenhaus versehen. Heute stehen hier zwei Abteilungen, für Geriatrie und für Plastische Chirurgie, den Patienten zur Verfügung.

18 Obertor

  Das Obertor bildet den Haupteingang zum Schlitzer Burgenring. Nur durch das Obertor war es möglich, mit Wagen und Gespann in das Innere des Burgenrings zu gelangen. Ursprünglich ist die Obertoranlage mit einer Zugbrücke versehen gewesen.

19 Niedertor

  Das Niedertor ist der südliche Eingang zum Burgenring. Der jetzt vorhandene Sandsteinbogen wurde 1930 errichtet. Das Gäßchen, das vom Marktplatz aus zum Niedertor führt, hieß früher das Torgäßchen. Das Niedertor war bis etwa gegen 1600 durch zwei starke Söller gesichert, die den Zwinger abschlossen, der den Burgenring in seinem Südteil umschloß.

20 Stadtmauer

Der Schlitzer Burgenring war mit einer starken und festen Mauer umgeben, die noch an verschiedenen Stellen zu sehen ist. Die Stadtmauer war mit Wehrgängen und Bastionen versehen. Außerdem umschloß ein mit Wasser gefüllter Wallgraben die äußere Mauer des Burgenrings, der teilweise noch mit einem Zwinger (schmaler, unbebauter Streifen zwischen innerer und äußerer Stadtmauer) umgeben war, welcher heute noch in Teilen erhalten ist. Besonders die beiden Toreingänge, das Obertor und das Niedertor, mußten durch starke Befestigungen geschützt werden.

21 Berleburg

  Erbaut 1859 nach Plänen des renommierten Architekten Hugo von Ritgen, des Restaurators der Wartburg bei Eisenach. Auftraggeber und Bauherr war Prinz Franz von Sayn - Wittgenstein - Berleburg, Schwager des Grafen Karl von Schlitz. Der sich heute in privater Hand befindliche Besitz mit seinen prachtvollen Fachwerkbauten ist ganz im Stile des Historismus gestaltet. Die dem gotischen Stil nachempfundenen Schmuckelemente, Andreaskreuze, Nasenbesatz und Dreipaßeinsätze sind deutlich zu erkennen

22 Auerhahn - Brauerei

Die Auerhahn- Brauerei wurde 1585 im Schlitzer Stadtteil Sandlofs gegründet. Im 17. Jahrhundert verfügten dann die verschiedenen Zweige der Schlitzer Ganerbenschaft über eigene Braustätten. Nachdem 1720 alle Familienzweige bis auf die Hallenburger Linie erloschen und der Besitz wieder in einer Hand vereinigt war, ließ Friedrich Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz 1725 eine neue Zentralbrauerei unterhalb der Schachtenburg bauen. Seine Initialen und das Baujahr zeigt der Türsturzstein über dem Eingang in die sogegannte "Tenne". 1967 ging die Brauerei in den Besitz der "Sämmtlichen Riedesel Freiherren zu Eisenbach" über.

Der Name "Auerhahn - Brauerei" ist jung, er dürfte erst kurz vor dem 1. Weltkrieg entstanden sein. Auerhähne galten bis in unser Jahrhundert als begehrte Jagdvögel. Kaiser Wilhelm II. hat deshalb auch wiederholt Schlitz besucht, um hier mit seinem Freund Graf Emil von Schlitz gemeinsam auf die Auerhahnjagd zu gehen. Im Jagdhaus am Eisenberg sind heute noch Schriftzüge des Kaisers zu sehen.

Die "Schlitz - Brauerei" in Milwaukee, U.S.A., hat nichts mit der Stadt Schlitz zu tun, sie trägt ihren Namen nach einem ihrer Besitzer, der nicht aus Schlitz stammt.

23 Linsengäßchen

  Eine enge Gasse, deren straßenseitige Begrenzung ehemals durch den von der Hainbuche abgeleiteten Sengelbach gebildet wurde. Durch die Erweiterung des Gartens der Ottoburg wurde dessen Mauer nahe an die Häuser herangerückt, die wegen des Bachlaufs ihre Eingänge hinten hatten.

24 Judenfriedhof

Der Judenfriedhof ist die Begräbnisstätte der ehemaligen jüdischen Gemeinde von. Er wurde im Jahre 1899 angelegt, die erste Bestattung fand 1901 statt. Als letzter fand Aron Stern, der im KZ Buchenwald umgebracht worden war, 1938 hier seine letzte Ruhestätte.

Die Gesamtschule Schlitz hat sich verpflichtet, den jüdischen Friedhof in ihre Obhut zu nehmen. Dieser Auftrag soll Schüler und Lehrer stets an einen Zeitabschnitt der deutschen Geschichte erinnern, in dem Verblendung und rassische Überheblichkeit auch die jüdische Gemeinde in Schlitz in Mitleidenschaft gezogen hat, woran auch eine Gedenktafel am Rathaus erinnert.

25 Rot - Schilling - Haus

Das Rot - Schilling - Haus wurde zusammen mit dem gegenüberliegenden Gebäude und einer leider im Zuge der Straßenneuführung abgebrochenen Schmiede gegen 1772 von der Familie Schilling erbaut, die als Leineweber und Handelsleute zu den begütertsten Bürgern der Stadt zählten. Diese reiche Familie bestand im 18. und 19. Jahrhundert aus drei Stämmen, den Rot - Schillings, den Blau - Schillings und den Weiß - Schillings (vgl.a. Nr. 28). Das Haus ist in Eichenfachwerk ausgeführt, wurde aber wahrscheinlich schon sehr früh mit Verputz und Schindelung versehen.

26 Judenschule

Judenschule und Synagoge. Die ersten in Schlitz wohnhaften Juden waren zwei Metzger in der Hallenburg, die ab 1730 belegt sind. Danach haben sich dann erst wieder ab 1869 Angehörige des mosaischen Glaubens in Schlitz angesiedelt. Um die Jahrhundertwende waren die Schlitzer Juden durch Zuwanderung vor allem aus Langenschwarz und Grebenau auf 15 Familien angewachsen. 1900 wurde die Schlitzer jüdische Religionsgemeinde gegründet und in diesem Haus eine bescheidene Synagoge eingerichtet.

27 Gasthaus "Zur Rose"

Ehemalige Hinterburger Herrenschenke. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts richteten die einzelnen Mitgliederfamilien der Schlitzer Ganerbengemeinschaft unter Umgehung der bürgerlichen Braugerechtsame Herrenschenken in der Stadt ein. Die Hinterburger Herrenschenke bildete insofern eine Besonderheit, als sie weit außerhalb der Ring(Stadt)mauer im Stadtteil Obertor erbaut wurde. Das Gebäude verfügt über besonders gut ausgebaute Gewölbekeller, die zur Einlagerung des Bieres unbedingt benötigt wurden.

28 Blau - Schilling - Haus

Das Blau - Schilling - Haus bildet mit dem schräg gegenüberliegenden Rot - Schilling - Haus (vgl. Nr. 25) und einer leider wegen der heutigen Straßenführung abgerissenen Schmiede mit Scheune eine bauliche Einheit. Das Gebäude, das in verschiedenen Abschnitten errichtet und umgebaut wurde und um 1700 dem herrschaftlichen Rentmeister Merklein gehörte, dürfte seine jetzige Fassadenfront um 1772 erhalten haben.

29 Hohes Haus

Das Hohe Haus wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet. Es war die Herrenschenke der Vorderburg. Mit der Herrenschenke verbunden war ein in der Nähe liegendes Brauhaus.

30 Niedertor - Backhaus

1816/17 an dieser Stelle errichtet. Ursprünglich gehörte neben dem Schlachten und Bierbrauen auch das Brotbacken zu den häuslichen Pflichten der Frauen. Es ist anzunehmen, daß sich auch in Schlitz in jedem größeren Haus ein eigener Backofen befunden hat.

Die Ackerbürger schlossen sich zu Backvereinen zusammen. Nach der hergebrachten kommunalen Gliederung entstanden ein Backverein Nieder- oder Untertor und ein Backverein Obertor. Diese verfügten über eigene Backhäuser, die verpachtet wurden.

31 Obertor - Backhaus

Bis in die sechziger Jahre unseres Jahrhunderts Gemeinschaftsbackhaus des Backvereins Obertor.

32 Schlitzer Kornbrennerei

Die heutige Schlitzer Kornbrennerei der Hessischen Staatsdomäne Karlshof befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Schafhofes, der 1620 von Dietrich von Schachten errichtet wurde.

Nachdem der von Schachtensche Besitz 1637 auf die Familie von Görtz übergegangen war, befand sich hier weiter der Vorderburger Schafhof, der 1912 von einer Meierei abgelöst wurde. 1969 kaufte der Hessische Staat das Anwesen zusammen mit dem Vorwerk - Gut "Karlshof" und faßte beide Einrichtungen unter dem eingangs genannten Namen zusammen. Die heutige Schlitzer Kornbrennerei erfreut sich eines guten Rufes und hat schon zahlreiche Auszeichnungen erhalten.